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„Irgendwie Anders“

Ein schulformenübergreifendes Theaterprojekt zur Förderung von Toleranz und Integrationsfähigkeit



In einer Zeit, in der Kinder und Jugendliche auf Grund einer massenmedial beeinflussten, postmodernen Gesellschaft immer weniger sinnliche Erfahrungen durch unmittelbare Bewegung und selbstständiges Tun sammeln können, wird die Entwicklung und Förderung sinnlicher Wahrnehmung zunehmend zu einem zentralen Anliegen von Schule.
Dies trifft in einem erhöhten Maße auf Schulen mit besonderem Förderbedarf zu, da sich deren Schülerschaften oft in defizitären Erfahrungswelten befinden, die es ihnen besonders erschweren, persönliche und soziale Kompetenzen zu erwerben.
Darstellendes Spiel kann dem entgegenwirken, indem es den Schülern im Rahmen eines schöpferischen Tuns erlaubt, ihre Gedanken, Phantasien, Sehnsüchte und Ängste zu artikulieren und auszuagieren. Im Sinne eines Probehandelns für das Leben wird es ihnen in der Zusammenarbeit mit Gleichaltrigen ermöglicht, ein Selbst- und Werteverständnis zu entwickeln, das eng mit dem Vertrauen in die eigenen Kräfte verbunden ist. Die Schüler erhalten somit durch das Darstellende Spiel einen Freiraum, der es ihnen erlaubt, eigene Themen durch Sprache und Körperausdruck in eine altersgemäße Form zu transferieren.
Die Darstellung menschlicher Beziehungen steht im Mittelpunkt und wird durch das Spiel bewusster erfahren, erlebt und reflektiert. Durch die Erprobung neuer Rollen wird zudem die Auseinandersetzung mit der eigenen Identität angeregt und in den Arbeitsprozess integriert.
Den Schülern wird es so ermöglicht, Erfahrungen aus den persönlichen Lebenswirklichkeiten heraus mit in einen Gruppenprozess einfließen zu lassen und spielerisch verschiedene Wege des sozialen Umgangs und der Problemlösung zu erproben. Dies fördert die soziale Kompetenz der Schüler in einem sehr konkreten sozialen Raum.
Die Aufgabe des Spielleiters besteht darin, diesen Prozess mittels einer geeigneten Methoden- und Materialienauswahl so zu unterstützen, dass die Schüler, an ihre Stärken anknüpfend, zu eigenen Ausdrucksmöglichkeiten finden können. Dabei ist für ihn wichtig, darauf zu achten, dass aus dem Gruppenprozess ein ästhetisches Produkt entstehen kann, das in der Aufführung vor einem Publikum öffentlich wird.
Im Vordergrund sollte dabei stets der Anspruch einer ästhetisch orientierten Theaterpädagogik sein, die in der Lage ist, die Forderungen des sozialen Lernens zu integrieren.

„In der künstlerischen Perspektive gibt es keine Behinderungen die zu kompensieren sind, sondern allein Ausdrucksqualitäten, die es in Spielprozessen zu gestalten gilt“ (Ruping).
Als literarische Vorlage dient das Bilderbuch „Irgendwie Anders“ von Kathrin Cave und Chris Riddell, welches 1997 den Unesco-Preis für Kinder- und Jugendliteratur im Dienste der Toleranz erhielt.
Seine kindgerechte Erzählweise bietet eine gelungene Grundlage für die szenische Bearbeitung der Thematik des Andersseins bei Kindern mit besonderem Förderbedarf.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht ein Wesen, welches durch seine äußerlichen Merkmale in seinem Umfeld auf Intoleranz stößt. Alle seine Versuche der Annäherung und Integration in die Gemeinschaft schlagen fehl. Zu dem Zeitpunkt, an dem es sich in die Isolation zurückziehen will, begegnet ihm jedoch ein weiteres Wesen, welches in seinem Erscheinungsbild ebenfalls nicht der bekannten Norm entspricht. Nach anfänglichem Zögern nähern sich die beiden Figuren an und werden trotz ihrer Unterschiede zu guten Freunden. Diese ungewöhnliche Verbindung von Verschiedenheiten führt dazu, dass auch die Gemeinschaft anfängt ihr ausgrenzendes Verhalten zu überdenken und die Vorzüge der Vielfalt zu erkennen und anzunehmen.

„ Und wenn einmal jemand an die Tür klopfte, der wirklich sehr merkwürdig aussah, dann sagten sie nicht „Du bist nicht wie wir“ oder „Du gehörst nicht dazu“. Sie rückten einfach ein bisschen zusammen“ (Cave/Riddel).


Über den thematischen und darstellerischen Aspekt hinaus erhalten die Schüler im Rahmen dieses Projektes die Möglichkeit, die Inszenierung eines Theaterstückes in seiner ganzen Bandbreite zu erfahren und mitzugestalten.

Dazu gehört:
* Requisiten- und Kulissenbau
* Beleuchtung
* Musikalische Begleitung
* Auswahl und Gestaltung adäquater Kostüme
* Öffentlichkeitsarbeit (Presse, Plakate, Eintrittskarten)
* Organisation einer Aufführung (Raumgestaltung, Kartenverkauf, Catering)
* Dokumentation des Arbeitsprozesses

Aufgrund seiner vielseitigen Einsatzmöglichkeiten fördert dieses Projekt sowohl das körperliche und sprachliche Ausdrucksvermögen der Schüler als auch ihre Imaginationsfähigkeit, Spontaneität und Empathie. So können intensive soziale Kontakte ausgelöst und gefestigt werden. Des Weiteren können die unterschiedlichsten individuellen Fähigkeiten in den verschiedenen Tätigkeitsbereichen zum Einsatz kommen. Dies fördert in einem hohen Maße das Selbstwertgefühl der Schüler, welches die Grundlage für ein toleranteres Miteinander liefert.